Wörtlich übersetzt bedeutet Heureka, dass man „es“ gefunden hat. Utopia zu übersetzen führt zu „Nicht-Ort“. Wie soll man also etwas gefunden haben, was per Definition nicht existiert? Und warum wird dieser Blog mehr und mehr zu einem Griechisch-Seminar? Also erstens: Lasst mich erstmal ausreden und zweitens: Griechisch ist toll.

Ich bin als Kind von der Idee angetan gewesen, dass man eine Utopie, eine perfekte Welt, durch progressives Vorgehen erreichen kann. Anstatt eine utopische Idee anzustreben, die sich von den utopischen Ideen der anderen unterscheidet und somit zu Konflikten führt, konzentriert man sich auf die Fehler des vorliegenden Systems. Durch stetiges Ausmerzen jener Fehler befindet man sich auf dem Weg zu einer fehlerfreien Gesellschaft, einer Utopie. Als Jugendlicher bemerkte ich, dass sich durch diesen Ausdruck nur das Paradoxon der Utopie (Dass man sich nicht darauf einigen kann, weil Perfektion nicht eindeutig zu definieren ist) nur nach hinten geschoben wird, weil man sich irgendwann damit befassen muss, was noch ein Fehler ist und was nicht. Wenn man nicht mehr über offensichtliche Dinge wie Schmerz oder Leid spricht, führt auch diese Debatte zu Konflikten. Als Erwachsener merkte ich jedoch etwas gänzlich anderes: Eine Gesellschaft ist in sich selbst immer eine Form der Tyrannei, da das Individuum in großer oder bevorzugter Maßen kleiner Manier unterdrückt wird.

Der große Fehler unser chaotischen Zeit ist, dass wir glauben den perfekten Staat finden zu müssen. In Deutschland sind es die Konflikte zwischen AfD und Linke, der CDU und SPD und wie sie alle heißen. In Amerika ist es die Wahl von Trump. In anderen Ländern ist es Widerstand gegen die Herrschenden oder offene Revolution, totales Chaos.

Wie Gandhi einst sagte: „Sei die Veränderung die du in der Welt sein willst.“

Ich selbst will eine friedliche, freiheitliche und gerechte Welt. Bin ich selbst friedlich, freiheitlich und gerecht? Oft. Nicht immer. Oh oh.

Ich bin manchmal egoistisch, kreise um mein eigenes Zentrum und denke nicht so sehr an das Wohl der anderen. Aber nicht nur bin ich unvollkommen in meiner Interaktion mit anderen, auch habe ich eine düstere Seite in mir, den Abgrund wie Nietzsche es beschrieben hat:
Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Es ist eine gute Frage was ein guter Mensch, ein guter Mann sein und tun soll. Ich glaube, es liegt in der Natur des Menschen, dass wir zu düsteren Taten fähig sind. Meines Erachtens ist jedoch die Fähigkeit dieses Potential zu überwinden und sich bewusst dagegen zu entscheiden die Quelle von Moral. Anders gesagt: Ein Hase ist unfähig Leid anzurichten, so wird ein Hase nicht als moralisch angesehen, denn er ist harmlos. Nur ein Bär oder Löwe, der jemanden verschont kann eine Moral zugesprochen werden, denn er hätte genug Macht, um alles andere als harmlos zu sein.

In der heutigen Zeit beobachte ich viel Ziellosigkeit in den Menschen und eine Leere, wo einst Maxime, Werte und Prinzipien waren. Es mag daran liegen, dass wir uns keine Last aufbürden wollen, in einer Zeit, in der es nicht zu den Lebensumständen gehört dies zu tun. Wir können überleben ohne Stärke, ohne den Held in uns zum Vorschein zu bringen. Ein Bauer der durch harte Arbeit seine Familie ernährt und jedes Familienmitglied, was ihn unterstützt, damit man nicht verhungert, wird stark. Dadurch wird der Wert der Familie und des Pflichtbewusstseins selbstverständlich aufgebaut. Dann plötzlich fällt diese Arbeit den Maschinen zu und die Industrialisierung nimmt ihren Lauf. Unvermeidlich hebt sich unser Lebensstandard. Wir können von rein mentaler Arbeit leben und sogar zu einem gewissen Grad andere versorgen. Durch die geringere Arbeit, die harmloseren Verhältnisse wird das Maß an Verantwortung in unserem Leben drastisch reduziert und wir fühlen eine Leere.

Volker Pispers sagte einmal: „Wenn man ein Feindbild hat, dann hat der Tag Struktur.“ In gewisser Weise war das Feindbild damals der Hunger, der Winter, die eigene Schwäche, Krankheiten, Alter und schlecht erzogene Kinder, die einen nicht unterstützen. Durch die Abschwächung dieser Dinge durch Massenproduktion (die ich nicht gutheißen mag, aber verstehen kann), Medikamente, geringerer physischer Belastung und einem Schulsystem, was viel zu oft mit einem Ersatz für Erziehung verwechselt wird, verschwinden diese Feindbilder nach und nach. Was ist also der neue Feind? Ich suche nicht nach Terroristen, Russen, Amerikanern, Rechten oder Linken, kurzum: Ich suche nicht nach einem menschlichen Feind. Das ist dumm, nichts kann dümmer sein als den Feind im Bruder zu sehen. Damit ein Mann wachsen kann, braucht er jedoch ein Prinzip, gegen das er kämpft, an dem er wächst, scheitert, wächst, scheitert und so weiter.

In einer Gesellschaft, die sich von den harschen Lebensbedingungen der Natur freigekämpft hat (weitgehend, zumindest in reichen Ländern) treten jedoch neue Feinde auf. Korruption, Lügen, Manipulation, falsche Propheten, Zerstörung des Planeten, unmoralische Handlungen durch Missbrauch der Macht und weit entfernter Krieg. Es ist nicht so, als würde diese Dinge nur existieren, seitdem wir uns von der Natur „getrennt“ haben (auch wenn ich nicht weiß, inwiefern das überhaupt möglich sein soll?), diese Probleme existierten schon immer. Nur haben wir nun die Zeit dagegen vorzugehen, weil das Gewicht der alleinigen Existenz durch Nahrung im Überfluss und Soziale Strukturen drastisch reduziert worden ist.

Mein Ziel ist also das Bekämpfen des Drachens in mir, das Vertiefen und Erweitern meiner Werte. Denn wie kann ich gegen das Böse in der Welt kämpfen, wenn ein Teil meiner Selbst verseucht ist von Gier und Egoismus. Wie kann ich ernsthaft von Persönlichkeitsentwicklung sprechen, wenn da noch Teile sind, die man nicht entwicklen darf?
Nun, durch den alleinigen Umstand, dass ich mich gegen das Chaos in mir selbst stelle, durch ein neues Feindbild, das ich in meinen Schwächen sehe, werde ich zu einem rechtschaffenen Mann. Einem moralischen Mann, der sich nicht fürchtet zuzugeben, dass in ihm ein Monster steckt.

Die Utopie finden wir nicht in einer Utopischen Gesellschaft, sondern in uns selbst.

Wir selbst wissen, wie wir sein müssen, um gut zu sein.

Wenn jeder gut ist, seine Drachen bekämpft, zu seinem eigenen Held wird,

dann haben wir eine Utopie.

Heureka.