Ich habe viele Fehler.
Aber dieses Chaos in mir, wenn etwas nicht nach meinen Vorstellungen geschieht, muss bewältigt werden.

In meinem letzten Post habe ich über Utopia gesprochen, dem perfekten Ort, an dem nichts Schlechtes ist. Ich habe auf soziologischer Ebene gezeigt, dass es sinnfrei ist, sich an dieser Perfektion zu orientieren, man lieber progressiv sein sollte, jedoch nicht auf gesellschaftlicher Ebene, sondern auf individueller Basis. Ich gehe erneut darauf ein, weil ich zeigen möchte, dass ich damit besser mit der Welt umgehen kann, aber meine persönliche Lage noch nicht davon betroffen ist. Auch wenn ich die Außenwelt nicht mehr so wichtig oder dramatisch sehe, gibt es bezüglich meines Innenlebens weniger Fortschritt.

In den letzten Wochen habe ich ehrlich gesagt eine negative Entwicklung in mir selbst beobachtet. Ich bin unausgeglichener und unruhiger als sonst, spüre seit einer Ewigkeit wieder etwas Angst in meinem Alltag und habe schlechteren Schlaf. Ich kann erahnen woher diese Gefühle kommen: Durch eine Verkettung vieler Ereignisse bin ich den Großteil des Tages vollkommen alleine, die wenigen Menschen die ich sehe, sind entweder Vorgesetzte oder Kollegen, die sich so aufführen. Einsamkeit hat entgegen meiner Erwartung einen negativeren Effekt auf mich, als ich antizipiert habe. Ich lerne also: Ich muss mehr Kontakt mit anderen Menschen haben.

Zu meiner Einsamkeit kommt noch der Umstand, dass ich mich letztens in einer zwischenmenschlichen Beziehung, die mir sehr wichtig ist, ziemlich daneben benommen habe, was aus meiner subjektiven Sicht etwas seltener geworden ist. Ich benahm mich daneben, war unausgeglichen und problemorientiert, weil.. weil gar nichts. Es gab keinen Grund, keine Entschuldigung für meine Unzulänglichkeiten. Was kann ich daraus lernen? Ich muss mir mehr Mühe geben den Menschen, um mich herum eine angenehme Zeit zu bieten.
Damit meine ich kein automatisiertes devot Sein, aber bewusstes Dienen. Ich muss mich bewusst für andere zurückzunehmen oder manchmal auch aus dem Fenster lehnen, damit ich mir selbst genüge.

Ich habe letztens über dieses „selbst genügen“ nachgedacht. Wenn man sich selbst genügen soll, egal wie man ist, was kann mich dann antreiben? In meinem zweiten Podcast spreche ich über Ziele, dass man sie ersetzen sollte durch Systeme, durch Routinen. So wird aus dem Weg das Ziel. Ich habe also eine Idee: Ich sollte mich durch meine Taten definieren.
Dadurch führen meine routinierten Handlungen schon zu einem Gefühl des Erfolgs. Damit spare ich mir das Warten auf nicht absehbaren Folgen dieser Handlungen, die man als Meilensteine nehmen könnte.

Wenn man diesen Ansatz der Selbstdefinition wählt, kommt man nur durch harte Arbeit (die übrigens so heißt, weil sie hart ist) zu einem positiven Selbstbild. Ein unproduktiver Tag tötet also das Selbstwertgefühl. Eine von Angst getriebene Arbeitsmoral. Hmm.. Mir muss etwas besseres einfallen.

Wie wäre es, wenn wir uns etwas überlegen, um mit diesen unproduktiven Tagen umzugehen? Heute habe ich mich sehr unproduktiv gefühlt, auch wenn ich das objektiv gar nicht war. Ich musste mich erst hinsetzen und diesen Blogpost schreiben, um positiv zu denken. Produktivität ist also ein gutes Gegenmittel gegen unproduktive Tage? Faszinierende Einsichten Leon, wenn du so weiter machst krönt man dich noch zum Kaiser der Philosophen, zum nächsten Marc Aurel.
Chill. Ich meine das ernst: Was ist denn der wirkliche Grund, dass wir uns manchmal nicht nach Produktivität fühlen?
Meines Erachtens liegt es an einer fehlenden Variable in der Gleichung eines guten Tages.
Diese Variable nennt sich Entscheidung. Wenn wir jeden Morgen entscheiden, was der Tag sein wird, dann ist es okay, wenn wir uns für einen unproduktiven Tag entscheiden, der unsere Batterien wieder auffüllt. So können wir unseren „Cheat-Day“ tatsächlich für das Aufladen benutzen und kritisieren uns nicht den ganzen Tag für unsere Faulheit.
Heute habe ich mir vorgenommen produktiv zu sein, also bin ich erst happy, wenn ich tatsächlich produktiv war, so wie ich es definiere: Ich habe geschrieben.
Ich gebe es zu, ich habe nicht das Gefühl eine unglaublich energiegeladene Person zu sein, vielleicht mache ich aber auch wieder ein paar Dinge falsch. Mir kommen spontan Schlaf, Meditation, Routine, Beziehungen, Ernährung und Sport in den Sinn. Ich werde in Zukunft etwas an diesen Stellschrauben drehen, um herauszufinden wie ich die Tage, an denen ich Spitzenleistungen erbringe, wiederholen kann.
Also was habe ich gelernt? Wir müssen uns täglich entscheiden was wir wollen und brauchen, dann können wir uns nicht mehr so leicht enttäuschen.
Aber warum fühlen wir uns denn jetzt nicht immer nach Produktivität? Ab Oktober besuche ich Psychologievorlesungen, da frage ich mal nach, okay? Ich halte euch auf dem Laufenden.

Ich habe gemerkt, dass das Chaos in mir in direkter Relation zu meinen Erwartungen steht. Nur wenn ich Ordnung will, kann mich das Chaos enttäuschen.
Das soll kein Aufruf zu Anarchie sein (obwohl?), sondern ein Aufruf unsere Erwartungen als das zu sehen, was sie sind: Ein mächtiges Werkzeug was uns zerstört, wenn wir ihm nicht mehr gefallen, aber uns durch unser Leben trägt, wenn wir darauf stehen können. Wie immer ist die goldene Mitte die beste Lösung:
Wir müssen etwas von uns erwarten, aber unsere Fehler einkalkulieren, dabei versuchen sie zu minimieren oder zu beseitigen, ohne Selbsthass oder Frust.

Denn ich habe zu viele Fehler, um anders vorgehen zu können.

Perfektion ist lediglich das Erfüllen unserer Erwartungen.