Kennt ihr das Gefühl mehrere Wochen oder sogar Monate am Stück im Autopilot zu verbringen?
Falls ihr zu den gesegneten Übermenschen gehört und dieses Problem nicht kennt, möchte ich es erläutern.

Der Autopilot ist schleichend, nicht wahrzunehmen, höchstens in einer Sekunde der Erleuchtung wird klar, dass man sein Leben verschwendet, die letzten Monate oder Jahre nichts getan hat, außer zu existieren und diese Existenz zu sichern, Angst vor dem Unbekannten zu haben und seine Augen davor zu verschließen.
Es klingt hart. Natürlich. Aber stellt euch die Frage, inwiefern ihr euer Leben im Autopilot verbringt. Wann habt ihr das letzte mal die Sterne beobachtet und über die Irrwitzigkeit des Lebens auf einer kosmischen Ebene nachgedacht? Wann habt ihr das letzte mal bewusst eine Mahlzeit zu euch genommen, ohne Ablenkung? Wann gab es die letzte Fahrt ohne einen Podcast, ein Hörbuch oder Musik? Wann habt ihr das letzte mal einen Tagtraum wahr werden lassen und etwas Riskantes gewagt? Wann hattet ihr das letzte wertvolle und aufschlussreiche Gespräch mit Fremden, die dann zu Freunden wurden? Wann war das letzte stille „Danke“ für die kleinen und großen Dinge im Leben? Wann lebst du wirklich und existierst nicht nur?

Ich betrachte den Autopiloten als meinen schlimmsten Feind, nichts Schlimmeres gibt es für mich als den Trott der „normalen Existenz“. Denn im Trott stirbt der Geist und mit ihm der Sinn im Leben. Ich rede nicht von Routine, die Routine ist ein starker Verbündeter. Nichts ist praktischer als die Trägheit des menschlichen Daseins auf seine Seite zu ziehen und sie dafür zu benutzen weniger Willenskraft für die guten Dinge im Leben aufbringen zu müssen. Routine. Das Füttern des eigenen Kindes, zu essen, das Tanken des Autos, das Kehren der Straße, Spazieren gehen und Sport treiben: Die Monotonie des Alltages spart uns die Energie, die wir für die Dinge aufbringen können und müssen, die uns tatsächlich weiterbringen. Routine ist gut, Monotonie ist gut: In Maßen.

Wenn die Monotonie des Lebens zu unseren einzigen Seite wird, dann stirbt der interessante Teil in uns. Gibt es nicht Zeiten auf die ihr zurückblickt, mit Wehmut im Herzen, weil ihr wisst, dass ihr nur verwaltet, aber nicht gewaltet habt, wie die Naturgewalt, als die ihr geboren worden seid? Sicherlich gibt es diese Zeiten, sie zeichnen sich durch ein „Ich bin noch nicht bereit“  oder ein „Wenn [X] passiert ist, dann kann ich anfangen“ aus. Es ist mehr als die Komfortzone, es ist eine Lebensphilosophie, die sich dadurch auszeichnet, das Leben aufzuschieben. Es ist eine Philosophie des Todes.

Vor ein paar Stunden fiel mir auf, wie stark diese Philosophie mein Handeln ergriffen, mein Innerstes befallen hat, so benutze ich meinen Verstand und dachte über einen Ausweg nach. Meine erste Idee war ein Ansatz aus der Verhaltenstherapie: Ich kann mich selbst konditionieren seltener in den Zustand des Autopiloten zu fallen und kann als weitere Maßnahme Kontrollmechanismen installieren, die mir sagen, dass ich im Autopiloten bin. Mein erster Plan dieses wirre Psychologengebrabbel in die Realität zu setzen war simpel: Post-it Zettel, auf denen „Wach auf“ oder „Jesus, take the wheel“ steht. Überall hin. Das dient als Kontrolle, genauso wie kleine Benachrichtigungen, die ich auf meinem Handy installiert habe.
Jetzt brauche ich noch eine Art von Konditionierung, damit ich länger bewusst bleibe. Auf einer Checklisten App auf meinem Handy hacke ich immer meine Gewohnheiten ab, damit ich sie auch wirklich erledige. Auf dieser Liste stehen Dinge wie „Zähne putzen, Bett machen, Duschen, passives Einkommen erlernen, etwas wertvolles Lesen, Trainieren und etwas gutes Essen“ aber auch Wichtiges wie „Schreibe etwas für den Blog, schreibe ein Gedicht, meditiere“. Das Meditieren ist eine perfekte Übung, um das Bewusstsein zu fördern, jedoch habe ich letztens noch zwei Dinge auf die Liste hinzugefügt, die einen großen Unterschied gemacht haben: „Sei nicht der Beste, sondern anders“ und „Harmonie und Glück“. Dadurch foltert mich der Perfektionist in mir und zwingt mich oft daran zu denken, dass ich mutig an eine Sache rangehen soll, bevor ich vollkommen bereit bin oder mir Mühe geben soll in Harmonie zu leben, um glücklich zu sein. Meiner Ansicht nach sind dies gute Waffen gegen den Autopilot. Sie sind kampferprobt und werden von meinen tiefsten Charakterzügen aufgeladen. Eine weitere gute Maßnahme gegen den Autopiloten ist das Trennen von Orten: In meinem Bett schlafe ich nur, an meinem Schreibtisch arbeite ich nur, auf dieser Couch entspanne ich nur, etc.. Psychologisch gesehen weiß unser Hirn an diesen Orten immer was passiert und stellt sich darauf ein.

Ich möchte differenzieren. Es geht mir nicht darum meine Produktivität zu erhöhen, ich möchte eher die Qualität meines Lebens an sich steigern, auch wenn erhöhte Produktivität ein untrennbarer Teil dieses Unterfangens ist. Wenn ich öfter ich selbst bin, steigert sich mein Erfolg direkt proportional. Diesen Effekt konnte ich schon oft feststellen, ob nun objektiv an durchschnittlicher Fremdbewertung oder subjektiver Selbsteinschätzung gemessen. Dieser Blog, Podcast und alles was dazugehört steigert mein Bewusstseinsgrad jedes mal ein kleines Bisschen, treibt mich dazu jeden Moment als ein mögliches Thema zu sehen, über das es sich zu schreiben lohnt.
Wie heißt es so schön? „Wenn du ein Leben führst, dass sich lohnt aufgeschrieben zu werden ist es ein gutes Leben“. Nicht ohne Grund schreiben erfolgreiche und glückliche Menschen häufig Tagebuch.

Es interessiert mich festzustellen, woher mein Antrieb eigentlich kommt, denn im Autopilot gibt es keinen Antrieb, man treibt ohne Beschleunigung im Raum, genießt das Momentum, was man im Bewusstsein generiert hat. Die meisten Menschen werden von extrinsischen Dingen motiviert. Gesundheit!
Damit sind äußere Einflüsse wie Lob und Stolz, sozialer Rang, Status, Besitz, Geld, Macht und Triebbefriedigung gemeint. Die intrinsische Motivation kommt jedoch aus dem Inneren und braucht keine Bestätigung von Außen, um weiterhin zu bestehen. Intrinsische Motivation scheint mir um das Vielfache bedeutsamer zu sein.

In meinem zweiten Podcast – Ziele – spreche ich über dieses Phänomen und wie man diese Art der Motivation erlangen kann, ohne dieses Thema überhaupt als solches im Kopf gehabt zu haben. Ich glaube dort eine bessere Art von Lebensphilosophie gefunden, was Pläne angeht. In diesem Podcast spreche ich über das Ersetzen unserer Pläne und Ziele durch täglich durchführbare Aktionen, die wir aus der Liebe zur Sache selbst tun können. So wird das Ziel „Erreiche 100 Menschen mit deinem Blog“ oder „Habe 50 iTunes Reviews“ ersetzt durch „Schreibe einen Blogeintrag“ und „Mache einen Podcast, den die Leute gerne hören“. So gibt es keine Meilensteine auf dem Weg, die wir mehr schlecht als recht feiern, sondern wir feiern den gesamten Weg zu unserem Ziel, welches ein ganz anderes geworden ist. Ein gutes Leben, aber der Autopilot bringt uns dort nicht hin. Im Autopiloten steckt kein Herzblut und kein Feuer und genau das brauchen wir, um das zu bekommen, was wir wollen.

Also denkt über den Autopiloten nach, klebt Zettel mit kleinen Nachrichten überall hin, überarbeitet eure Checklisten mit Angewohnheiten, die euren Autopiloten in den Urlaub schicken, versucht vom Lob anderer Menschen und allen anderen äußeren Einflüssen zu entkommen und lebt für euch selbst, in euch selbst.

Aus diesem Artikel wird leider kein „Heureka“ werden, weil ich wahrscheinlich bis zum Rest meines Lebens mit dem Autopiloten ringen werde, aber es ist ein guter Kampf. Vielleicht der einzige gute Kampf, den es gibt: Der Kampf gegen das Schlechte in uns. Wie ich einst schon erwähnte, macht uns das zu moralischen Wesen, zu guten Vorbildern.