Blaupause Bewusstsein

Kennt ihr das Gefühl mehrere Wochen oder sogar Monate am Stück im Autopilot zu verbringen?
Falls ihr zu den gesegneten Übermenschen gehört und dieses Problem nicht kennt, möchte ich es erläutern.

Der Autopilot ist schleichend, nicht wahrzunehmen, höchstens in einer Sekunde der Erleuchtung wird klar, dass man sein Leben verschwendet, die letzten Monate oder Jahre nichts getan hat, außer zu existieren und diese Existenz zu sichern, Angst vor dem Unbekannten zu haben und seine Augen davor zu verschließen.
Es klingt hart. Natürlich. Aber stellt euch die Frage, inwiefern ihr euer Leben im Autopilot verbringt. Wann habt ihr das letzte mal die Sterne beobachtet und über die Irrwitzigkeit des Lebens auf einer kosmischen Ebene nachgedacht? Wann habt ihr das letzte mal bewusst eine Mahlzeit zu euch genommen, ohne Ablenkung? Wann gab es die letzte Fahrt ohne einen Podcast, ein Hörbuch oder Musik? Wann habt ihr das letzte mal einen Tagtraum wahr werden lassen und etwas Riskantes gewagt? Wann hattet ihr das letzte wertvolle und aufschlussreiche Gespräch mit Fremden, die dann zu Freunden wurden? Wann war das letzte stille „Danke“ für die kleinen und großen Dinge im Leben? Wann lebst du wirklich und existierst nicht nur?

Ich betrachte den Autopiloten als meinen schlimmsten Feind, nichts Schlimmeres gibt es für mich als den Trott der „normalen Existenz“. Denn im Trott stirbt der Geist und mit ihm der Sinn im Leben. Ich rede nicht von Routine, die Routine ist ein starker Verbündeter. Nichts ist praktischer als die Trägheit des menschlichen Daseins auf seine Seite zu ziehen und sie dafür zu benutzen weniger Willenskraft für die guten Dinge im Leben aufbringen zu müssen. Routine. Das Füttern des eigenen Kindes, zu essen, das Tanken des Autos, das Kehren der Straße, Spazieren gehen und Sport treiben: Die Monotonie des Alltages spart uns die Energie, die wir für die Dinge aufbringen können und müssen, die uns tatsächlich weiterbringen. Routine ist gut, Monotonie ist gut: In Maßen.

Wenn die Monotonie des Lebens zu unseren einzigen Seite wird, dann stirbt der interessante Teil in uns. Gibt es nicht Zeiten auf die ihr zurückblickt, mit Wehmut im Herzen, weil ihr wisst, dass ihr nur verwaltet, aber nicht gewaltet habt, wie die Naturgewalt, als die ihr geboren worden seid? Sicherlich gibt es diese Zeiten, sie zeichnen sich durch ein „Ich bin noch nicht bereit“  oder ein „Wenn [X] passiert ist, dann kann ich anfangen“ aus. Es ist mehr als die Komfortzone, es ist eine Lebensphilosophie, die sich dadurch auszeichnet, das Leben aufzuschieben. Es ist eine Philosophie des Todes.

Vor ein paar Stunden fiel mir auf, wie stark diese Philosophie mein Handeln ergriffen, mein Innerstes befallen hat, so benutze ich meinen Verstand und dachte über einen Ausweg nach. Meine erste Idee war ein Ansatz aus der Verhaltenstherapie: Ich kann mich selbst konditionieren seltener in den Zustand des Autopiloten zu fallen und kann als weitere Maßnahme Kontrollmechanismen installieren, die mir sagen, dass ich im Autopiloten bin. Mein erster Plan dieses wirre Psychologengebrabbel in die Realität zu setzen war simpel: Post-it Zettel, auf denen „Wach auf“ oder „Jesus, take the wheel“ steht. Überall hin. Das dient als Kontrolle, genauso wie kleine Benachrichtigungen, die ich auf meinem Handy installiert habe.
Jetzt brauche ich noch eine Art von Konditionierung, damit ich länger bewusst bleibe. Auf einer Checklisten App auf meinem Handy hacke ich immer meine Gewohnheiten ab, damit ich sie auch wirklich erledige. Auf dieser Liste stehen Dinge wie „Zähne putzen, Bett machen, Duschen, passives Einkommen erlernen, etwas wertvolles Lesen, Trainieren und etwas gutes Essen“ aber auch Wichtiges wie „Schreibe etwas für den Blog, schreibe ein Gedicht, meditiere“. Das Meditieren ist eine perfekte Übung, um das Bewusstsein zu fördern, jedoch habe ich letztens noch zwei Dinge auf die Liste hinzugefügt, die einen großen Unterschied gemacht haben: „Sei nicht der Beste, sondern anders“ und „Harmonie und Glück“. Dadurch foltert mich der Perfektionist in mir und zwingt mich oft daran zu denken, dass ich mutig an eine Sache rangehen soll, bevor ich vollkommen bereit bin oder mir Mühe geben soll in Harmonie zu leben, um glücklich zu sein. Meiner Ansicht nach sind dies gute Waffen gegen den Autopilot. Sie sind kampferprobt und werden von meinen tiefsten Charakterzügen aufgeladen. Eine weitere gute Maßnahme gegen den Autopiloten ist das Trennen von Orten: In meinem Bett schlafe ich nur, an meinem Schreibtisch arbeite ich nur, auf dieser Couch entspanne ich nur, etc.. Psychologisch gesehen weiß unser Hirn an diesen Orten immer was passiert und stellt sich darauf ein.

Ich möchte differenzieren. Es geht mir nicht darum meine Produktivität zu erhöhen, ich möchte eher die Qualität meines Lebens an sich steigern, auch wenn erhöhte Produktivität ein untrennbarer Teil dieses Unterfangens ist. Wenn ich öfter ich selbst bin, steigert sich mein Erfolg direkt proportional. Diesen Effekt konnte ich schon oft feststellen, ob nun objektiv an durchschnittlicher Fremdbewertung oder subjektiver Selbsteinschätzung gemessen. Dieser Blog, Podcast und alles was dazugehört steigert mein Bewusstseinsgrad jedes mal ein kleines Bisschen, treibt mich dazu jeden Moment als ein mögliches Thema zu sehen, über das es sich zu schreiben lohnt.
Wie heißt es so schön? „Wenn du ein Leben führst, dass sich lohnt aufgeschrieben zu werden ist es ein gutes Leben“. Nicht ohne Grund schreiben erfolgreiche und glückliche Menschen häufig Tagebuch.

Es interessiert mich festzustellen, woher mein Antrieb eigentlich kommt, denn im Autopilot gibt es keinen Antrieb, man treibt ohne Beschleunigung im Raum, genießt das Momentum, was man im Bewusstsein generiert hat. Die meisten Menschen werden von extrinsischen Dingen motiviert. Gesundheit!
Damit sind äußere Einflüsse wie Lob und Stolz, sozialer Rang, Status, Besitz, Geld, Macht und Triebbefriedigung gemeint. Die intrinsische Motivation kommt jedoch aus dem Inneren und braucht keine Bestätigung von Außen, um weiterhin zu bestehen. Intrinsische Motivation scheint mir um das Vielfache bedeutsamer zu sein.

In meinem zweiten Podcast – Ziele – spreche ich über dieses Phänomen und wie man diese Art der Motivation erlangen kann, ohne dieses Thema überhaupt als solches im Kopf gehabt zu haben. Ich glaube dort eine bessere Art von Lebensphilosophie gefunden, was Pläne angeht. In diesem Podcast spreche ich über das Ersetzen unserer Pläne und Ziele durch täglich durchführbare Aktionen, die wir aus der Liebe zur Sache selbst tun können. So wird das Ziel „Erreiche 100 Menschen mit deinem Blog“ oder „Habe 50 iTunes Reviews“ ersetzt durch „Schreibe einen Blogeintrag“ und „Mache einen Podcast, den die Leute gerne hören“. So gibt es keine Meilensteine auf dem Weg, die wir mehr schlecht als recht feiern, sondern wir feiern den gesamten Weg zu unserem Ziel, welches ein ganz anderes geworden ist. Ein gutes Leben, aber der Autopilot bringt uns dort nicht hin. Im Autopiloten steckt kein Herzblut und kein Feuer und genau das brauchen wir, um das zu bekommen, was wir wollen.

Also denkt über den Autopiloten nach, klebt Zettel mit kleinen Nachrichten überall hin, überarbeitet eure Checklisten mit Angewohnheiten, die euren Autopiloten in den Urlaub schicken, versucht vom Lob anderer Menschen und allen anderen äußeren Einflüssen zu entkommen und lebt für euch selbst, in euch selbst.

Aus diesem Artikel wird leider kein „Heureka“ werden, weil ich wahrscheinlich bis zum Rest meines Lebens mit dem Autopiloten ringen werde, aber es ist ein guter Kampf. Vielleicht der einzige gute Kampf, den es gibt: Der Kampf gegen das Schlechte in uns. Wie ich einst schon erwähnte, macht uns das zu moralischen Wesen, zu guten Vorbildern.

Öffentliches Tagebuch #2 Perfektion

Ich habe viele Fehler.
Aber dieses Chaos in mir, wenn etwas nicht nach meinen Vorstellungen geschieht, muss bewältigt werden.

In meinem letzten Post habe ich über Utopia gesprochen, dem perfekten Ort, an dem nichts Schlechtes ist. Ich habe auf soziologischer Ebene gezeigt, dass es sinnfrei ist, sich an dieser Perfektion zu orientieren, man lieber progressiv sein sollte, jedoch nicht auf gesellschaftlicher Ebene, sondern auf individueller Basis. Ich gehe erneut darauf ein, weil ich zeigen möchte, dass ich damit besser mit der Welt umgehen kann, aber meine persönliche Lage noch nicht davon betroffen ist. Auch wenn ich die Außenwelt nicht mehr so wichtig oder dramatisch sehe, gibt es bezüglich meines Innenlebens weniger Fortschritt.

In den letzten Wochen habe ich ehrlich gesagt eine negative Entwicklung in mir selbst beobachtet. Ich bin unausgeglichener und unruhiger als sonst, spüre seit einer Ewigkeit wieder etwas Angst in meinem Alltag und habe schlechteren Schlaf. Ich kann erahnen woher diese Gefühle kommen: Durch eine Verkettung vieler Ereignisse bin ich den Großteil des Tages vollkommen alleine, die wenigen Menschen die ich sehe, sind entweder Vorgesetzte oder Kollegen, die sich so aufführen. Einsamkeit hat entgegen meiner Erwartung einen negativeren Effekt auf mich, als ich antizipiert habe. Ich lerne also: Ich muss mehr Kontakt mit anderen Menschen haben.

Zu meiner Einsamkeit kommt noch der Umstand, dass ich mich letztens in einer zwischenmenschlichen Beziehung, die mir sehr wichtig ist, ziemlich daneben benommen habe, was aus meiner subjektiven Sicht etwas seltener geworden ist. Ich benahm mich daneben, war unausgeglichen und problemorientiert, weil.. weil gar nichts. Es gab keinen Grund, keine Entschuldigung für meine Unzulänglichkeiten. Was kann ich daraus lernen? Ich muss mir mehr Mühe geben den Menschen, um mich herum eine angenehme Zeit zu bieten.
Damit meine ich kein automatisiertes devot Sein, aber bewusstes Dienen. Ich muss mich bewusst für andere zurückzunehmen oder manchmal auch aus dem Fenster lehnen, damit ich mir selbst genüge.

Ich habe letztens über dieses „selbst genügen“ nachgedacht. Wenn man sich selbst genügen soll, egal wie man ist, was kann mich dann antreiben? In meinem zweiten Podcast spreche ich über Ziele, dass man sie ersetzen sollte durch Systeme, durch Routinen. So wird aus dem Weg das Ziel. Ich habe also eine Idee: Ich sollte mich durch meine Taten definieren.
Dadurch führen meine routinierten Handlungen schon zu einem Gefühl des Erfolgs. Damit spare ich mir das Warten auf nicht absehbaren Folgen dieser Handlungen, die man als Meilensteine nehmen könnte.

Wenn man diesen Ansatz der Selbstdefinition wählt, kommt man nur durch harte Arbeit (die übrigens so heißt, weil sie hart ist) zu einem positiven Selbstbild. Ein unproduktiver Tag tötet also das Selbstwertgefühl. Eine von Angst getriebene Arbeitsmoral. Hmm.. Mir muss etwas besseres einfallen.

Wie wäre es, wenn wir uns etwas überlegen, um mit diesen unproduktiven Tagen umzugehen? Heute habe ich mich sehr unproduktiv gefühlt, auch wenn ich das objektiv gar nicht war. Ich musste mich erst hinsetzen und diesen Blogpost schreiben, um positiv zu denken. Produktivität ist also ein gutes Gegenmittel gegen unproduktive Tage? Faszinierende Einsichten Leon, wenn du so weiter machst krönt man dich noch zum Kaiser der Philosophen, zum nächsten Marc Aurel.
Chill. Ich meine das ernst: Was ist denn der wirkliche Grund, dass wir uns manchmal nicht nach Produktivität fühlen?
Meines Erachtens liegt es an einer fehlenden Variable in der Gleichung eines guten Tages.
Diese Variable nennt sich Entscheidung. Wenn wir jeden Morgen entscheiden, was der Tag sein wird, dann ist es okay, wenn wir uns für einen unproduktiven Tag entscheiden, der unsere Batterien wieder auffüllt. So können wir unseren „Cheat-Day“ tatsächlich für das Aufladen benutzen und kritisieren uns nicht den ganzen Tag für unsere Faulheit.
Heute habe ich mir vorgenommen produktiv zu sein, also bin ich erst happy, wenn ich tatsächlich produktiv war, so wie ich es definiere: Ich habe geschrieben.
Ich gebe es zu, ich habe nicht das Gefühl eine unglaublich energiegeladene Person zu sein, vielleicht mache ich aber auch wieder ein paar Dinge falsch. Mir kommen spontan Schlaf, Meditation, Routine, Beziehungen, Ernährung und Sport in den Sinn. Ich werde in Zukunft etwas an diesen Stellschrauben drehen, um herauszufinden wie ich die Tage, an denen ich Spitzenleistungen erbringe, wiederholen kann.
Also was habe ich gelernt? Wir müssen uns täglich entscheiden was wir wollen und brauchen, dann können wir uns nicht mehr so leicht enttäuschen.
Aber warum fühlen wir uns denn jetzt nicht immer nach Produktivität? Ab Oktober besuche ich Psychologievorlesungen, da frage ich mal nach, okay? Ich halte euch auf dem Laufenden.

Ich habe gemerkt, dass das Chaos in mir in direkter Relation zu meinen Erwartungen steht. Nur wenn ich Ordnung will, kann mich das Chaos enttäuschen.
Das soll kein Aufruf zu Anarchie sein (obwohl?), sondern ein Aufruf unsere Erwartungen als das zu sehen, was sie sind: Ein mächtiges Werkzeug was uns zerstört, wenn wir ihm nicht mehr gefallen, aber uns durch unser Leben trägt, wenn wir darauf stehen können. Wie immer ist die goldene Mitte die beste Lösung:
Wir müssen etwas von uns erwarten, aber unsere Fehler einkalkulieren, dabei versuchen sie zu minimieren oder zu beseitigen, ohne Selbsthass oder Frust.

Denn ich habe zu viele Fehler, um anders vorgehen zu können.

Perfektion ist lediglich das Erfüllen unserer Erwartungen. 

Heureka Utopia

Wörtlich übersetzt bedeutet Heureka, dass man „es“ gefunden hat. Utopia zu übersetzen führt zu „Nicht-Ort“. Wie soll man also etwas gefunden haben, was per Definition nicht existiert? Und warum wird dieser Blog mehr und mehr zu einem Griechisch-Seminar? Also erstens: Lasst mich erstmal ausreden und zweitens: Griechisch ist toll.

Ich bin als Kind von der Idee angetan gewesen, dass man eine Utopie, eine perfekte Welt, durch progressives Vorgehen erreichen kann. Anstatt eine utopische Idee anzustreben, die sich von den utopischen Ideen der anderen unterscheidet und somit zu Konflikten führt, konzentriert man sich auf die Fehler des vorliegenden Systems. Durch stetiges Ausmerzen jener Fehler befindet man sich auf dem Weg zu einer fehlerfreien Gesellschaft, einer Utopie. Als Jugendlicher bemerkte ich, dass sich durch diesen Ausdruck nur das Paradoxon der Utopie (Dass man sich nicht darauf einigen kann, weil Perfektion nicht eindeutig zu definieren ist) nur nach hinten geschoben wird, weil man sich irgendwann damit befassen muss, was noch ein Fehler ist und was nicht. Wenn man nicht mehr über offensichtliche Dinge wie Schmerz oder Leid spricht, führt auch diese Debatte zu Konflikten. Als Erwachsener merkte ich jedoch etwas gänzlich anderes: Eine Gesellschaft ist in sich selbst immer eine Form der Tyrannei, da das Individuum in großer oder bevorzugter Maßen kleiner Manier unterdrückt wird.

Der große Fehler unser chaotischen Zeit ist, dass wir glauben den perfekten Staat finden zu müssen. In Deutschland sind es die Konflikte zwischen AfD und Linke, der CDU und SPD und wie sie alle heißen. In Amerika ist es die Wahl von Trump. In anderen Ländern ist es Widerstand gegen die Herrschenden oder offene Revolution, totales Chaos.

Wie Gandhi einst sagte: „Sei die Veränderung die du in der Welt sein willst.“

Ich selbst will eine friedliche, freiheitliche und gerechte Welt. Bin ich selbst friedlich, freiheitlich und gerecht? Oft. Nicht immer. Oh oh.

Ich bin manchmal egoistisch, kreise um mein eigenes Zentrum und denke nicht so sehr an das Wohl der anderen. Aber nicht nur bin ich unvollkommen in meiner Interaktion mit anderen, auch habe ich eine düstere Seite in mir, den Abgrund wie Nietzsche es beschrieben hat:
Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Es ist eine gute Frage was ein guter Mensch, ein guter Mann sein und tun soll. Ich glaube, es liegt in der Natur des Menschen, dass wir zu düsteren Taten fähig sind. Meines Erachtens ist jedoch die Fähigkeit dieses Potential zu überwinden und sich bewusst dagegen zu entscheiden die Quelle von Moral. Anders gesagt: Ein Hase ist unfähig Leid anzurichten, so wird ein Hase nicht als moralisch angesehen, denn er ist harmlos. Nur ein Bär oder Löwe, der jemanden verschont kann eine Moral zugesprochen werden, denn er hätte genug Macht, um alles andere als harmlos zu sein.

In der heutigen Zeit beobachte ich viel Ziellosigkeit in den Menschen und eine Leere, wo einst Maxime, Werte und Prinzipien waren. Es mag daran liegen, dass wir uns keine Last aufbürden wollen, in einer Zeit, in der es nicht zu den Lebensumständen gehört dies zu tun. Wir können überleben ohne Stärke, ohne den Held in uns zum Vorschein zu bringen. Ein Bauer der durch harte Arbeit seine Familie ernährt und jedes Familienmitglied, was ihn unterstützt, damit man nicht verhungert, wird stark. Dadurch wird der Wert der Familie und des Pflichtbewusstseins selbstverständlich aufgebaut. Dann plötzlich fällt diese Arbeit den Maschinen zu und die Industrialisierung nimmt ihren Lauf. Unvermeidlich hebt sich unser Lebensstandard. Wir können von rein mentaler Arbeit leben und sogar zu einem gewissen Grad andere versorgen. Durch die geringere Arbeit, die harmloseren Verhältnisse wird das Maß an Verantwortung in unserem Leben drastisch reduziert und wir fühlen eine Leere.

Volker Pispers sagte einmal: „Wenn man ein Feindbild hat, dann hat der Tag Struktur.“ In gewisser Weise war das Feindbild damals der Hunger, der Winter, die eigene Schwäche, Krankheiten, Alter und schlecht erzogene Kinder, die einen nicht unterstützen. Durch die Abschwächung dieser Dinge durch Massenproduktion (die ich nicht gutheißen mag, aber verstehen kann), Medikamente, geringerer physischer Belastung und einem Schulsystem, was viel zu oft mit einem Ersatz für Erziehung verwechselt wird, verschwinden diese Feindbilder nach und nach. Was ist also der neue Feind? Ich suche nicht nach Terroristen, Russen, Amerikanern, Rechten oder Linken, kurzum: Ich suche nicht nach einem menschlichen Feind. Das ist dumm, nichts kann dümmer sein als den Feind im Bruder zu sehen. Damit ein Mann wachsen kann, braucht er jedoch ein Prinzip, gegen das er kämpft, an dem er wächst, scheitert, wächst, scheitert und so weiter.

In einer Gesellschaft, die sich von den harschen Lebensbedingungen der Natur freigekämpft hat (weitgehend, zumindest in reichen Ländern) treten jedoch neue Feinde auf. Korruption, Lügen, Manipulation, falsche Propheten, Zerstörung des Planeten, unmoralische Handlungen durch Missbrauch der Macht und weit entfernter Krieg. Es ist nicht so, als würde diese Dinge nur existieren, seitdem wir uns von der Natur „getrennt“ haben (auch wenn ich nicht weiß, inwiefern das überhaupt möglich sein soll?), diese Probleme existierten schon immer. Nur haben wir nun die Zeit dagegen vorzugehen, weil das Gewicht der alleinigen Existenz durch Nahrung im Überfluss und Soziale Strukturen drastisch reduziert worden ist.

Mein Ziel ist also das Bekämpfen des Drachens in mir, das Vertiefen und Erweitern meiner Werte. Denn wie kann ich gegen das Böse in der Welt kämpfen, wenn ein Teil meiner Selbst verseucht ist von Gier und Egoismus. Wie kann ich ernsthaft von Persönlichkeitsentwicklung sprechen, wenn da noch Teile sind, die man nicht entwicklen darf?
Nun, durch den alleinigen Umstand, dass ich mich gegen das Chaos in mir selbst stelle, durch ein neues Feindbild, das ich in meinen Schwächen sehe, werde ich zu einem rechtschaffenen Mann. Einem moralischen Mann, der sich nicht fürchtet zuzugeben, dass in ihm ein Monster steckt.

Die Utopie finden wir nicht in einer Utopischen Gesellschaft, sondern in uns selbst.

Wir selbst wissen, wie wir sein müssen, um gut zu sein.

Wenn jeder gut ist, seine Drachen bekämpft, zu seinem eigenen Held wird,

dann haben wir eine Utopie.

Heureka.

Öffentliches Tagebuch #1 Warum und wohin?

Verdammt.

Jeder Mensch, der sich intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung, Wachstum und seinem Erfolg auseinandersetzt, kommt irgendwann zu dem Punkt, an dem ich jetzt stehe.
Tausende Videos und Artikel habe ich zu fast allem geschaut und gelesen und doch gibt es noch so viel mehr zu wissen. Es geht nicht mehr weiter. Es sei denn..

Ich setze um, was ich gelernt habe.

Was habe ich gelernt? Ich möchte dazu eine kleine Geschichte erzählen:
Letztens arbeitete ich etwas vor mich hin, als die Frau aus der anderen Abteilung ein Gespräch mit mir aufnahm. Sie ist begeisterter Veganer, Tierschützerin und baut selbst gerne Möbel für Ihre eigene Wohnung und letztens sogar eine kleine Mauer für eine Außendusche im Garten. Soweit so gut, eine nette Ablenkung von der Monotonie, doch einige Zeit nach unserem Gespräch hörte ich, wie sie mit einer anderen Mitarbeiterin sprach. Die Rede war von einem Erbe, der Erbschaftssteuer und Geld. Ich horchte auf, mich interessiert alles, was ich zu diesem Thema herausfinden kann, sei es noch so wenig. Dann geschah es. „Um Reich zu sein, muss man Glück haben, in der Lotterie gewinnen oder sowas.. Und das verliert man dann sowieso ganz schnell.“
Aua. Wenn ich eine Sache über Erfolg gelernt habe, dann ist es der Fakt, dass man an sich glauben muss, um ihn zu haben. Eine Telefonnummer als Kontostand haben zu wollen ist ein mögliches Ziel, aber wenn man sich auf eine Lotterie und nicht auf sich selbst verlässt, also seine Verantwortung abgibt, hat sich dieses Ziel schon erledigt. Unmöglich.

Erfolg setzt sich im Großen und Ganzen aus 4 Faktoren zusammen:
1. Potential
2. Tun
3. Folgen
4. Überzeugung

Kannst du tun, was du dir vorgenommen hast? Tust du, was du machen wolltest? Sind die Ergebnisse deines Handelns im Einklang mit deinen Zielen? Glaubst du an dich?
Jeder Faktor davon bestimmt die anderen jeweils mit. Solltest du kein Potential in etwas haben, klappt es nicht. Solltest du es nicht tun, gibt es nichts, was klappen könnte. Hat dein Handeln absolut unerwartete Ergebnisse, die dich nicht weiterbringen? Ändere den Kurs oder es klappt nicht. Du glaubst nicht an dich? Du hast schon verloren.
Bei richtiger Wahl des Bereichs, hast du das Potential, du kannst immer daran arbeiten und zwar täglich, die Folgen lassen sich bestimmen und deine Überzeugung wächst mit jedem neuen Erfolg. Anstatt eine Abwärtsspirale in Gang zu setzen, erschaffe lieber eine Aufwärtsspirale, die dich gnadenlos in den Himmel reißt. Da die meisten Menschen unglaubliches Potential in fast allen Dingen haben, kannst du ruhig davon ausgehen, dass du einfach anfangen musst.

Henry Ford sagte einmal:Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten. Stimmt.
Ich persönlich habe schon immer diesen Splitter im Kopf, der mir sagt, dass ich das alles kann. Dieser Splitter ist mehr wert als alle Talente, Erfahrungen und Errungenschaften, weil er es mir ermöglich selbst unter den schlechtesten Bedingungen, dem niedrigsten IQ und gebrochenen Knochen noch etwas zu reißen. Dieser Splitter ist Glaube an mich selbst und mein Potential, aber auch der Selbsthass, wenn ich mich in 20 Jahren im Spiegel ansehen würde und weiß, dass ich die besten Jahre meines Lebens als Sklave für ein geringes Gehalt abgesessen habe. Ich nenne ihn nicht grundlos einen Splitter, manchmal tut er weh, aber es ist ein Zeichen der Autonomie und Kraft, wenn man sich für den Schmerz der Disziplin entscheidet, wenn man auch den Schmerz der Schuld und Reue wählen könnte, weil man seine Träume nicht verwirklicht hat.

Wir verwirkliche ich also mein Potential, sodass dieser Splitter mich nicht eines Tages umhaut? Nun, ich habe bereits begonnen. Ich schreibe einen Blog, ist zwar wahrscheinlich eine ganze Menge Nonsense dabei, aber irgendwas wird kleben bleiben, wenn ich es ins Netz werfe. Ich mache einen Podcast, damit noch mehr Menschen mich hören können, in der Gruppe auf Facebook kommunizieren wir miteinander, unterstützen uns gegenseitig, auf YouTube gibt es persönliche Vlogs und bald bringe ich ein Buch raus.
Was hat sich also geändert? Ich bin aktiv: Die Planungsphase ist vorbei, jetzt wird umgesetzt. Es wird nicht mehr genörgelt oder aufgeschoben, denn ich habe eine Motivation.

Die Schule ist gerade vorbei und mir wird klar, wie die Erwachsenenwelt funktioniert. Die meisten springen ihr gesamtes Leben von einem Job zum Nächsten, bilden sich dabei nicht sonderlich weiter und sind mit ihrem Wochenende zufrieden. Ich möchte das nicht, also will ich für die Dinge bezahlt werden, die ich gerne mache: Dinge schreiben, öffentliche Reden halten und mich weiterentwickeln. Alles was ich vorhabe, kann wiederholt werden, also hoffe ich, dass dieser Blog eine Art Vorlage für den Erfolg wird. Jetzt muss ich mich nur noch an die Arbeit machen.

Was sind die nächsten Schritte? 
Ich muss einige Podcasts aufnehmen und hochladen, am liebsten drei auf einmal, dürfte kein Problem sein. Geplant habe ich bis jetzt Episoden über Lebensphilosophie, Motivation und Zielen.
Ich muss mein Buch weiterschreiben, es handelt sich dabei um eine kommentierte Sammlung all meiner Gedichte bis jetzt. Mir gefällt es daran zu arbeiten. Kein Problem.
Ich muss viele Blogposts schreiben, am liebsten täglich. Schaffe ich.
Ich muss eine Internetfirma aufbauen, die mir genug Einkommen beschert, um frei zu sein. Wie mache ich das denn?

Wenn ich etwas gut kann, dann mich in ein Thema einzuarbeiten. Wenn ich mehr finanzielle Freiheit erreicht habe, gibt es darüber einen Podcast und eine Schritt für Schritt Anleitung.
Ich verbleibe mit etwas Angst vor meinen Zielen und ein wenig Hoffnung in meine Fähigkeiten.

Blaupause Minimalismus

Machen wir eine Zeitreise.

Stellt euch vor, dass wir uns mehrere Tausend Jahre vor der ersten Zivilisation an einem schönen Strand befinden. Jetzt wollen wir alles loswerden, was nicht zur Zeit passt, um nicht aufzufallen. Wir legen also unser Smartphone und unseren Schmuck, unsere Tattoos (wie auch immer man das tun soll?) und sämtliche Kleidung ab. Jetzt stehen wir nackt an einem Strand, vermissen unsere Technologie und Dinge, die wir früher nie geschätzt haben. Ich spreche von Verkehrsmitteln, Toiletten, Stühlen und Tischen, Duschen und Badewannen, fließendem Wasser im Allgemeinen, Papier und Stift, Werkzeuge, Kühlschränke und Tiefkühltruhen, Bücher und das Internet, Betten, Straßen, Supermärkte, Farmen, Computer, Zelte, Häuser und Medizin.

Verdammt. Ein Spaziergang am Strand war auch mal schöner.

Ich möchte nicht die falsche Vorstellung erwecken, dass Minimalismus danach strebt uns wieder in diese Situation zurückzubringen. Das wäre Hardcore, sogar für Asketen. Minimalismus möchte uns vielmehr die Möglichkeit bieten die oben genannten Dinge als Luxus zu genießen. Minimalisten erreichen dieses Ziel durch die Reduktion ihrer Besitztümer und die Maximierung ihrer Erfahrungen. Ein waschechter Minimalist mistet also konstant seine Räume aus, verzichtet teilweise sogar auf eine echte Matratze, weil ein japanischer Futon scheinbar reicht oder schläft direkt auf dem Boden. Jedoch unterscheidet sich die Intention des Minimalisten stark von der des Asketen, welcher per Definition den Freuden des Lebens entsagt, weil er keine Erfüllung darin findet. Ein Minimalist entsagt nicht den Freuden der Dinge in seinem Leben, jedoch möchte er seine Besitztümer kritisch hinterfragen, sie auf ihre wahrhaftige Wertigkeit testen. So kommt es, dass auch ein Minimalist etwas kauft, was ihm den Alltag erleichtert oder ihm langwierig Freude bereitet. Jemand der leidenschaftlich Uhren sammelt wie mein Großvater oder Old-Timer restauriert und in der Garage stehen lässt, kann ein Minimalist sein, denn er kauft nichts, um sein Selbstwertgefühl zu steigern, sondern nur, weil es ihn glücklich macht.

Wenn man die Maxime des Minimalismus weiter betrachtet, kommt man irgendwann zu dem Schluss, dass gerade die eigene Zeit der wertvollste Rohstoff unseres Lebens ist, den wir nicht mehr zu schätzen wissen. So leeren kluge Minimalisten nicht nur ihren Kleiderschrank, sondern auch ihre Terminkalender. Interessanterweise bewirkt aber auch das Leeren des Kleiderschranks und ähnlicher Dinge, eine Reduktion von Entscheidungen, die wir täglich treffen. Wenn wir am Tag weniger Entscheidungen treffen haben wir viel mehr Zeit.

Rechnen wir das einmal kurz aus. Nehmen wir an ich hätte 15 unterschiedliche Shirts und 5 unterschiedliche Hosen in meinem Kleiderschrank. Jeden Morgen nach dem Duschen brauche ich vielleicht 2 Minuten, um mir etwas rauszulegen, was ich tragen möchte. Jeden morgen 2 Minuten. 2 • 365 = 730 Minuten = ca. 12 Stunden. Nehmen wir an jeder Tag hätte 6 Produktive Stunden, was in der Zeit von unaufhaltbarer (eigentlich nicht) Smartphone-Unterbrechung lächerlich hoch geschätzt ist (Ich persönlich gehe höchstens von zwei Stunden täglich aus, an der wir tatsächlich etwas Wichtiges [Familie/Freunde/Kochen] tun und vielleicht noch einer weiteren in der wir etwas Produktives [eigene Projekte/Kunst] tun), selbst dann verlieren wir zwei ganze Tage. Stellen sie sich vor, wie radikal diese Rechnung sich auf die massive Zeitverschwendung unserer Zeit anwenden lässt. Deutsche konsumieren täglich im Durchschnitt über 2 Stunden Fernsehprogramme. 2 • 365 = 730 Stunden = 30,4 Tage = Ein Monat. 

Mathematik hat noch nie so wehgetan.

Entscheidungen, Gegenstände und auch negative Menschen sollten aus dem Leben entfernt werden, denn wir wollen Produktiv sein und nicht Beschäftigt.

Minimalismus hat einen Vorteil: es ist eine stetige Gedankenübung mit weniger auszukommen, als man hat. Praktiziert man diese Gedanken lang genug wird man mutiger, weil man die Angst vor dem Scheitern reduziert. In der Stoa nennt sich diese Vorgehensweise Negatives Visualisieren. Damit soll man mehr Dankbarkeit für die Dinge und Menschen empfinden, mit denen man umgeht und weniger Verlust empfinden, wenn sie aus dem Leben verschwinden. Man stellt sich ab und zu einmal kurz vor, wie es wäre diese Gegenstände oder Menschen nicht mehr zu haben und macht anschließend weiter.

Call to Action: Ich möchte den nächsten Monat Minimalismus praktizieren, jeden Tag werde ich eine Sache aus meinem Leben entfernen und anschließend schreiben, wie ich damit umgehen konnte.

Fazit: Löse dich von Dingen, damit du sie besitzt und nicht umgekehrt. Werde Dinge und Termine los, wenn nötig auch Menschen, die dich nur Zeit und Energie kosten (Es sei denn, es sind deine Kinder.. dann mache das bitte nicht). Kaufe Dinge, die einen Wert für dein Leben haben, aber keine, die dich von deinem Leben ablenken.